Rennbericht OGP Nürburgring

Wiesbaden, 17. August 2020

Sengende Hitze, wolkenbruchartigen Regenfälle, Sturm, sogar Hagel – das Eifelwetter zeigte zum ersten Meisterschaftslauf der Tourenwagen Classics 2020 im Rahmen des AvD Oldtimer Grand Prix seine ganz Bandbreite.

Mittendrin 44 Teilnehmer mit ihren klassischen Tourenwagen und 10.000 Zuschauer, denen in den beiden Rennen vor Ort und am Livestream bester Motorsport geboten wurde.

Lange mussten Organisatoren und Teilnehmer zittern, ob der 48. AvD Oldtimer Grand Prix vom 7. bis zum 9. August überhaupt stattfinden konnte. Nachdem die zuständigen Behörden das von Nürburgring und AvD erarbeitete Infektionsschutz- und Hygienekonzept genehmigt hatten, gab es aber grünes Licht. Besonders erfreulich war die Zulassung von 5.000 Zuschauern am Tag, denn richtige Rennen werden vor richtigen Rennfans gefahren.

Die lange Starterliste war gespickt mit neuen Teilnehmern, herausragenden Fahrzeugen und Fahrergrößen alter Tage. Ins Auge stach dabei sicher der Zakspeed Ford Capri Turbo, der vom Team Rüddel für Heinz Schmersal und Mike Stursberg vorbereitet worden war. Bei diesem Fahrzeug handelt es sich um das zweite von Zakspeed im Jahr 1979 gebaute Auto, welches seiner Zeit von Harald Ertl in der Deutschen Rennsport Meisterschaft gefahren worden war. Steffan Irmler brachte zwei der insgesamt vier Opel Vectra, die in der Starterliste zu finden waren, an den Start. Bei dem einen handelte es sich um den silbernen Irmscher Vectra aus der Saison 1999, beim anderen um einen rechtsgelenkten Vectra, der 1996 beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Franchorchamps zum Einsatz gekommen war. Unübersehbar waren auch die beiden Volvo 850 T5 Kombi, die von Helmut Baumann und Klaus Niesen gefahren wurden. Beide Fahrzeuge waren Mitte der 1990er Jahre in der VLN und beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring erfolgreich eingesetzt worden und entlockten vielen Zuschauern ein erinnerndes Lächeln. Endlich nun startbereit war auch der Alpina BMW M3, auf dem Peter Oberndorfer sein Comeback feierte. Zudem lockte die Nähe des Nürburgrings noch viele Gaststarter aus Belgien und den Niederlanden auf die Rennstrecke, so dass sich die Fans auf ein breites, erinnerungsgeladenes Starterfeld und spannende Rennen freuen konnten.

Gerhard Füller – unschlagbar im STW Opel Vectra

Im Golden Ära-Rennen am Samstag startete Gerhard Füller mit seinem STW Opel Vectra von der Pole Position und fuhr einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg ein. Weit mehr Geschehen gab es dahinter. In den ersten Runden hatte sich bereits eine rege Kampfgruppe gebildet, die aus Erik Qvick, Otto Rensing, Harald Grohs, Steffen Lykke Gregersen, Sjaco Griffon – alle in einem BMW M3 E30 – und Michael Sadurski im Opel Ascona bestand. Obgleich einige wegen technischer Defekte ausfielen, kämpfte sich letztlich Harald Grohs mit seiner ganzen Erfahrung von Position 10 gestartet bis auf den dritten Platz hinter Erik Qvick vor, der den zweiten Gesamtrang über das ganze Rennen inne hielt.

Freud und Leid des Peter Oberndorfer und Moritz Horn

Unmittelbar vor dem sonntäglichen Hauptrennen zogen dunkle Wolken über der Eifel auf. Die Frage, ob es im Rennen noch regnen würde, war im gesamten Starterfeld allgegenwärtig. Trotzdem ging das Rennen, das geplant über 40 Minuten stattfinden sollte, unter trockenen Bedingungen los. Durch ihren Leistungsvorteil setzen sich Stefan Mücke und Mike Stursberg im Zakspeed Ford Capri Turbo, Stefan Rupp im Audi A4 DTM und Achim Heinrich im BMW M1 Procar schnell nach vorne ab. Im Mittelfeld wurde Peter Oberndorfer in seinem ehemaligen Alpina BMW M3 E30 touchiert, was zur Folge hatte, dass der hintere Kotflügel am Reifen schleifte. Ein Boxenstopp wäre sinnvoll gewesen, doch „Obi“, so sein Spitzname aus Renault R5 Pokal-Zeiten, ging das Risiko ein und versuchte sich mit weitwundem Reifen bis zum Beginn des Pflichtboxenstoppfensters zu retten. Schon zu dieser Zeit hatte es leicht zu regnen begonnen. Nachdem Eddy Kamm im Vauxhall Vectra in der Dunlopkehre ins Kiesbett gerutscht war, schickte die Rennleitung das Pacecar auf die Strecke, um das Feld einzusammeln. Unmittelbar bevor sich das Zeitfenster für die Pflichtboxenstopps öffnete, platzte dem Alpina BMW M3 E30 schließlich der Hinterreifen. Peter Oberndorfer schleppte sich auf drei Reifen zurück und übergab an seinen jungen Teamkollegen Moritz Horn, der mit neuem Reifen ausgestattet sofort weiterfuhr. Anschließend spielten beiden die sich überschlagenden Ereignisse in die Hände, denn viele Konkurrenten steuerten zur gleichen Zeit die Box an. Für einen kurzen Zeitraum gab die Rennleitung das Rennen wieder frei, wodurch Moritz Horn im Klassement nach vorne gespült wurde. Doch dann wurden Regen und Hagel so stark, dass man keine andere Wahl mehr hatte, als das gesamte Rennen mit Roter Flagge ganz zu beenden. Da in so einem Falle immer die Runde zuvor maßgebend für das Endergebnis ist, befanden sich plötzlich Peter Oberndorfer und Moritz Horn auf Position 1 im Gesamtklassement und ernteten einen unverhofften und glücklichen Sieg im ersten Wertungslauf der Tourenwagen Classics. Auf Platz zwei fuhr Stefan Rupp im Audi A4 DTM vor Gerhard Füller im Opel Vectra über die Ziellinie.

Die Tourenwagen Classics absolvieren den 3. Lauf im Rahmen der DTM am Lausitzring.

Text: Christian Reinsch
Fotos: Verena Schwarz/Rainer Dolle

 
 
 

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