Rennbericht: 6. Lauf der TWC 2019 auf dem Nürburgring (DTM)

Wiesbaden, 17. September 2019

Run, Rudi, run, oder: noch ein Rosberg-DTM-Sieg

Das Team Rosberg spielte bei der DTM am Nürburgring gleich bei zwei Entscheidungen eine Rolle. In der DTM wurde mit René Rast im Audi RS5 DTM der aktuelle Pilot des Teams vorzeitig Meister. Beim gleich anschließenden Rennen der Tourenwagen Classics (TWC) feierte Rudi Schöllhorn im ehemaligen DTM-Einsatzauto dieses Teams aus der Saison 2000 seinen ersten Gesamtsieg. In der Premierensaison der „neuen“ DTM steuerte der Brite Darren Turner den AMG Mercedes CLK DTM.

Das Race-Art-Team hatte das alusilberne Auto mit großen schwarzen AMG-Lettern für den vorletzte Lauf der Serie perfekt vorbereitet. Ab den ersten Runden im freien Training ließ Schöllhorn keinen Zweifel aufkommen, dass er sich an diesem Wochenende den ersten Gesamtsieg sichern würde. Mit 33,6 Sekunden Vorsprung kreuzte Schöllhorn bei bestem Spätsommerwetter die Ziellinie. Die Autos der „neuen“ DTM sind eine echte Bereicherung. Die Szene rechnet für die kommenden Saison mit einigen weiteren faszinierenden Autos aus dieser Ära. Für harmonische Starterfelder werden 2020 zwei getrennte Rennläufe pro Veranstaltung ausgetragen : TWC „Golden Era“ und TWC „New Age“. Dann endlich kommen die Fans der guten alten Zeit voll auf Ihre Kosten.

Hinter Schöllhorns Silberpfeil sorgten spannende Positionskämpfe für ein äußerst kurzweiliges 40-Minuten-Rennen. Einige Schlachten wurde dabei bereits im Fahrerlager geschlagen. Richard Weber zum Beispiel, der sich mit Schöllhorn die erste Startreihe teilte, verbrachte mehr Zeit unter seinem BMW M3 Sport Evo als im Cockpit. Am ehemaligen Einsatzauto des Teams von Günter Murmann streikte das Getriebe. „Ich habe meinen Bruder nach Rosenheim geschickt, um ein neues Getriebe zu holen“, berichtet Weber später von seiner anstrengenden Nachtschicht. „Bis zwei Uhr heute Nachmittag habe ich geschraubt und hatte dann fast keine Lust mehr, noch den Rennoverall überzustreifen und ins Auto zu steigen.“

Doch der letzte Zweifel des Bayern war verflogen, als die roten Lichter der Startampel erloschen und der grüngoldene Diebels-Alt M3 mit den grellgelben Scheinwerfergläsern die Jagd auf das neun Jahre jüngere Coupé von Schöllhorn eröffnete. Weber trieb seinen M3 über die Kurzanbindung des Grand-Prix-Kurses, als ginge es wie 1991 um wertvolle Punkte für die DTM-Privatfahrerwertung. Damals saß der Teamchef selbst am Steuer dieses BMWs. „Ab der Avus war es dann das Einsatzauto von Christian Danner“, erzählt Weber zur Geschichte des Autos.

Hinter Webers M3 brannte Gerhard Füller ein Feuerwerk ab. Endlich lief sein Opel Vectra STW, das Auto von Klaus Niedzwiedz aus der Saison 1998, ohne technische Probleme. In seiner schnellsten Rennrunde war der Opel-Pilot nur 0,3 Sekunden langsamer als Weber. Der Zweiliter-Pilot hielt Anschluss an den Zweitplatzierten und kämpfte sich immer wieder mit viel Einsatz an den zu überrundenden Fahrern vorbei. Streckensprecher-Legende Rainer Braun kürte Füller, der seinen dritten Platz behauptete, kurzerhand inoffiziell zum „Man of the Race“.

Einen besonders emotionalen Moment erlebte Braun dann noch bei der Klassensiegerehrung, als er Marc Hessel und Eric van de Poele die Trophäe für den Klassensieg überreichen konnte. „Die beiden habe ich schon in der 80er-Jahren zur Siegerehrung aufgerufen“, sagt Braun gerührt. „32 Jahre ist das jetzt her – wie die Zeit vergeht.“ Die einstigen BMW-Junioren der Saison 1987 feierten gemeinsam mit dem engagierten Team Automotive 2.0 rund um Sebastian Küppers den ersten Siegerpokal der Saison. Für den Belgier van de Poele war es erst der zweite Einsatz bei den Tourenwagen Classics nach dem Regenrennen in Zolder – und bestimmt nicht das letzte Mal: „Das macht einfach unglaublich viel Spaß“, schwärmt der 57-jährige.

Das Podium in der Klasse 3 vereinte insgesamt vier ehemalige DTM-Piloten: Kris Nissen wurde im Tic-Tac-BMW M3 von Thomas Feierabend Zweiter. Der Däne fühlt sich im Feierabend-Team sichtlich wohl und tüftelt mit dem 17 Jahre alten Laurenz Feierabend die Abstimmung des M3 aus. Der Junior absolviert im weltberühmten Würzburger Familienbetrieb gerade seine Ausbildung. Wer den Stift bei seiner Arbeit im Fahrerlager und an der Box beobachtet, spürt förmlich seine Begeisterung.

Der vierte Ex-DTM-Profis schaute nach dem Rennen etwas traurig drein: Armin Hahne muss sich mit dem dritten Rang begnügen. Der 64-jährige Rennfahrer erlebte eines seiner strapaziöseren Renn-wochenenden. Im Getriebe des Sierra RS500 quittierten während des Rennens gleich zwei Gangstufen den Dienst und Hahne musste den Würth-Sierra nur mit dem zweiten und dem fünften Gang über die Runden bringen. Damit war kein weiterer Klassenerfolg mehr möglich. Als klar war, dass damit Marc Hessel und sein ehemaliger Zakspeed-Teamkollege van de Poele den Sieg nach Hause fahren würden, war Sierra-Besitzer Volker Schneider noch in der Boxengasse der erste Gratulant des BMW-Teams.

So bleibt für die Meisterschaft letztlich bis zum Finale am 6. Oktober in Hockenheim alles offen. Sowohl Thomas Schmidt mit seinem BMW 325i Coupé, am Nürburgring erneut Klassensieger, als auch Armin Hahne und Marc Hessel bewahren ihre Chancen auf den Gesamtsieg. Das verspricht ein spannendes Rennen. Zum feierlichen Finale wird zudem ein großes und vielfältiges Starterfeld erwartet. Die DTM-Historie feiert mit den Tourenwagen Classics eine große Gala und bereichern dann zum fünften Mal in dieser Saison ein aktuelles DTM-Wochenende.

6. Lauf DTM Nürburgring

15. September 2019

Nürburgring (Kurzanbindung): 3,629 Kilometer

Gesamtergebnis

1. Rudi Schöllhorn (Bad Wurzach), AMG Mercedes CLK DTM, 24 Runden in 41:53,934 Min. (126,411 km/h)

2. Richard Weber (Rosenheim), BMW M3 Sport Evolution, +33,559 Sek.

3. Gerhard Füller (Stadtallendorf), Opel Vectra STW, + 48,474 Sek.

4. Stephan Piepenbrink (München), BMW M3 (E30), + 7:25.928 Min. (inkl. 380 Sek. Zeitstrafe)

5. Herbert Wagner (Oberzenn), Audi A4 quattro, – 1 Rd.

6. Marc Hessel/Eric van de Poele (München/BEL), BMW M3 (E30), – 1 Rd.

7. Kris Nissen (DNK), BMW M3 (E30) – 1 Rd.

8. Harald Grohs/Ralph Bahr (Essen/Wiesbaden), BMW M3 (E30) – 1 Rd.

9. Albert Dobler (CHE), BMW M3 (E30) – 1 Rd.

10. Armin Hahne (Wimbach), Ford Sierra RS500 – 1 Rd.

Pole Position: Schöllhorn, 1:34.935 Min.
Schnellste Rennrunde: Schöllhorn, 1:35.003 Min. (137,516 km/h)

Die Klassensieger:

Klasse 1 (ITC/Gruppe H/DTM ab 2000): Rudi Schöllhorn

Klasse 2 (DTM/Gruppe H): Richard Weber

Klasse 3 (Gruppe A): Marc Hessel/Eric van de Poele

Klasse 4 (STW, 2 Liter): Gerhard Füller

Klasse 5 (DTC): Thomas Schmidt (Velen), BMW 325i Coupé DRM: Michael Meyer (Schlettau), BMW 320 (E21)

 
 
 

Privat: TWC-Online-Shop

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