Rennbericht: 5. Lauf der TWC 2019 auf dem Lausitzring (DTM)

Wiesbaden, 27. August 2019

Mückes Turbo-Ständchen im Rahmen des 500. DTM-Rennens

Große Ehre für Harald Grohs: Als Sieger des ersten DTM-Rennens, das 1984 in Zolder ausgetragen wurde, durfte er auf dem Podium die Siegertrophäe für das 500. Rennen der langen DTM-Geschichte an René Rast überreichen. Grohs trug bereits seine Rennfahrermontur, als er auf die Siegerehrungsbühne stieg. Sein Einsatzauto, der schwarze Vogelsang-BMW M3 mit der Startnummer 6 stand bereits im Vorstartbereich. Er würde kurze Zeit später ins Cockpit seines DTM-Autos von 1987 steigen.

Gleich in der ersten Hälfte des fünften Saisonlaufs der Tourenwagen Classics sorgten die Fahrer für viele spannende Positionskämpfe und die beste Rennunterhaltung des Wochenendes in der Niederlausitz. Polesetter Peter bzw. Stefan Mücke verteidigte im 540 PS starken Zakspeed Turbo Capri zunächst zwar die Führung, konnte sich aber nicht vom Feld absetzen. Das Verfolgertrio mit den schnellsten Ex-DTM-Autos im Feld machte dem Berliner in Klaus Ludwigs ehemaligem Meisterauto das Leben schwer. Ronny Scheer im Opel Astra V8 und Rudi Schöllhorn im AMG-Mercedes CLK, beides Autos aus der DTM-Saison 2000 und Stefan Rupp im Alfa Romeo 155 V6 TI aus der ITC-Saison 1996 jagten den flachen Zakspeed Capri.

Dass der Dresdner Ronny Scheer sein Heimrennen auf dem Lausitzring überhaupt aufnehmen konnte, hatte er seinem Team Heup Motorsport zu verdanken. Die Mechaniker nahmen das ehemalige Einsatzauto von Joachim Winkelhock in der Nacht vor dem Rennen komplett auseinander, um die Schäden durch eine abgescherte Antriebswelle zu beheben. Wegen dieses Defekts war Scheer am Ende des zweiten Qualifyings ohne Vortrieb nach Kurve 1 ausgerollt. Das aus Kohlefaser gefertigte Teil ist allerdings keine Massenware. „Aber wir hatten noch eine auf Lager“, erzählte Scheer dem Rennreporter Olli Sittler in der Startaufstellung. Mit dem Ersatzteil funktionierte der Astra im Rennen problemlos.

Hinter der Führungsgruppe mit Scheer markierte Gerhard Füller im Opel Vectra STW, das Einsatzauto von Klaus Niedzwiedz aus der Saison 1998. Die Kupplungsprobleme des rund 300 PS starken Fronttrieblers schienen behoben und der Stadtallendorfer lief wieder zu großer Form auf. Er war sogar schneller als Armin Hahne im Ford Sierra RS500, der dank des aufgeladenen Zweilitermotors ordentlich Bumms hat. Mit dem unbegrenzten Turbolader verfügt der Sierra über rund 200 PS mehr als der knapp zehn Jahre jüngere Supertourenwagen von Füller. Doch der pfeilschnelle Vectra hielt wieder nicht durch. Am Ende der 13. Runde steuerte Füller mit zu hoher Kühlwassertemperatur die Box an, stellte den überhitzten Spiess-Vierzylinder ab und gab auf.

Aber auch beim Sierra-Team von Volker Schneider, der selbst pausieren musste, lief nicht alles nach Plan. Nach dem ersten Qualifying ohne eine gezeitete Runde stand ein Getriebewechsel an. Dem DTM-Dritten von 1988 war der dritte Gang herausgesprungen. Bis zum zweiten Qualifying musste das neue Getriebe eingebaut sein. „Wir machen alles, damit Armin hier fahren kann“, sagte Schneider. Seine Mechaniker erledigten die Reparatur pünktlich und für Hahne, den Zweiten der Tourenwagen Classics, war das Renn-Wochenende gerettet.

Im Rennen selbst sorgte der Audi A4 Quattro von Gerhard Wagner ungewollt für kurze Aufregung und eine Safety-Car-Phase: Auf der Start-und-Zielgeraden schmiss der Allradler seine Heckstoßstange ab, die mitten auf der Ideallinie liegen blieb. Ein „Kontakt“ war dem vorausgegangen. Nach kurzer Zeit wurde das Rennen fast auf die Sekunde genau mit dem Öffnen des Boxenstoppfensters wieder freigegeben. Peter Mücke nutzte gedankenschnell die Gelegenheit und bog gleich in die Boxengasse ab, um den flachen Turbo-Capri an seinen Sohn Stefan zu übergeben.

Mit dem Gruppe-5-Auto von 1980 brannte der 37-jährige Rennprofi an der Spitze der Tourenwagen Classics ein Feuerwerk ab. „Das Alter merkt man dem Auto beim Fahren überhaupt nicht an“, meinte Mücke Junior begeistert. Selbst eine Durchfahrtsstrafe wegen zu hoher Geschwindigkeit in der Boxengasse konnte ihn einbremsen. Nach 40 Minuten gewann das Vater-Sohn-Team aus Altglienicke mit einem Vorsprung von über einer Minute. Dahinter sicherte sich Ronny Scheer den zweiten Platz vor Daniel Schrey im Porsche. Ein Drama in den letzten Runden verhagelte dagegen Rudi Schöllhorn das Rennen. Mit seinem Mercedes konnte er zwischenzeitlich sogar am Capri vorbeigehen, bis ihm ein Überholmanöver zu Beginn der Safety-Car-Phase eine Durchfahrtsstrafe bescherte. Bei der Durchfahrt der Boxengasse im Autobahnformat war der Schwarzwälder etwas zu zügig unterwegs und eine zweiten Durchfahrtsstrafe warf ihn weiter zurück. Kurze Zeit später war das Rennen für ihn ganz beendet: Der alusilberne CLK rollte auf dem grünen Seitenstreifen aus.

Während sich die Positionen auf den drei Podiumsplätzen und dahinter der vierte Platz für Stefan Rupp im Ex-Larini-Alfa gefestigt hatten, sorgte die muntere BMW-M3-Fraktion für eine höchst unterhaltsame Schlussphase. Christan Menzel und Marc Hessel ließen sich vom Leistungsrückstand ihres 275 PS starken M3 gegenüber dem Gruppe-A-Kontrahenten Sierra RS500 von Hahne nicht entmutigen. Die engagierte Truppe von 2.0 Automotive um Sebastian Küppers hat dem ehemaligen Testauto von Zakspeed für die Saison 1988 mittlerweile zu ausreichender Zuverlässigkeit verholfen. Im Ziel fehlten Menzel und Hessel acht Sekunden auf den Flügel-Ford. Dahinter sicherte sich Gerhard Wagner im Audi ohne Heckstoßstange als Gesamtsiebter den Erfolg in der Zweiliter-Klasse.

Den Schlusspunkt setzte allerdings Harald Grohs. Dank seiner guten Konstitution hat er seine Krankheit schnell überwunden. Mit beherzter Fahrweise unterstrich er, wie sehr er sich über die Rückkehr ins Cockpit freut. Mehrfach nahm Grohs im M3 einige Kurven in kontrolliertem Drift. Bald tauchte er im Rückspiegel des vor ihm platzierten Kris Nissen auf. Der Däne war durch einen leichten Frontschaden des in Tic-Tac-Farben lackierten M3 etwas gehandicapt, hätte aber vermutlich gegen den schnelleren Wagen aus der Klasse 2 nichts ausrichten können. Harald Grohs war am Ende immerhin zweitbestes M3-Team hinter Hessel/Menzel und bedankte sich bei seinen Mitstreitern, zu welchen auch Michael Menden mit dem orangenen M3 Gruppe A aus dem Jahr 1988 gehört, für den fairen und lebhaften Wettkampf.

Bei der Siegerehrung erntete Nissen den größten Applaus. Seinen Pokal für den dritten Platz in der Klasse 3 überreichte er seinem jungen Mechaniker Laurenz Feierabend. „Das ist der erste Pokal für Euer Team und ich bin mir sicher, dass da noch viele weitere dazukommen werden“, sagte der Däne. Auch hinter diesem harmonischen Abschluss des fünften Tourenwagen-Classics-Wochenendes steckt eine Familien-Geschichte: Laurenz Feierabend führt in dritter Generation die Tradition seines Großvaters Helmut und seines Vaters Thomas fort. Die Familie ist mit ihrer Restaurierungswerkstatt in Würzburg vor allem durch ihre Expertise für den BMW 328 in der Klassikerszene bekannt. Jetzt fügt sich mit dem erfolgreichen Einsatz von originalen Renn-M3 eine weitere Facette an. Das Publikum bekam mit einer attraktiven Markenvielfalt und tollen Zweikämpfen so einiges geboten und bedankte sich mit tosendem Applaus bei den Fahrern in der Auslaufrunde. Die TWC war glücklich in jeder Hinsicht mit diesem Wochenende und freut sich auf den 6. Wertungslauf im Rahmen der DTM am Nürburgring.

 
 
 

Privat: TWC-Online-Shop

Diese Seite benutzt Cookies. Weitere Infos hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.