Rennbericht: 1. Lauf der TWC 2019 in Zolder (DTM)

Rainer Braun

Wasser marsch in Zolder!

Mit einem dramatischen Paukenschlag eröffneten die Tourenwagen Classics die neue Saison.

Im Rahmen des DTM-Laufs in Zolder ließen die historischen Tourenwagen die Geschichte der erfolgreichen Rennserie aufleben. Kurz vor dem Start einsetzender, sintflutartiger Regen machte den Auftakt für die Fahrer zu einer echten Herausforderung und sorgte für einen ungewöhnlichen Rennverlauf mit einer faustdicken Überraschung.

Zunächst rollten alle Autos hinter dem Führungsfahrzeug zurück ins Fahrerlager zum Wechsel auf Regenreifen. Dann folgten zwei Einführungsrunden hinter dem Safety Car, bevor der Start freigegeben wurde. Der Trainingsschnellste Ronny Scheer erwischte im Opel Astra aus der DTM-Saison 2000, das Ex-Auto von Tourenwagenlegende Jockel Winkelhock, einen technisch bedingt  schwachen Start und musste das Feld von hinten aufrollen. Doch zur Rennhälfte schied er endgültig mit einer defekten Lichtmaschine aus.

Statt des 530 PS starken V8 des DTM-Flügeltürers bestimmten die Reihenvierzylinder der BMW M3 und eines Mercedes 190E Evo 2 in der Spitzengruppe die Musik. Darunter mischte sich der Sechszylindersound der schnellsten BMW 325. Am besten kam ein Einheimischer mit den flämischen Fluten zurecht: Mathieu Damiens (Pseudonym „Gentleman‘s Fair“) navigierte seinen Mercedes 190E Evo 2 zielsicher über die vier Kilometer lange Piste im Westen Belgiens, die bis 1994 traditionell die DTM-Saison eröffnete.  Auf seinem Weg zum Gesamtsieg half Damiens wahrscheinlich auch sein gutes Auge – im Hauptberuf ist der Belgier preisdekorierter Fotograf.

Zudem hatte er die DTM-Historie im Blick: 1992 feierte der Däne Kurt Thiim beim Auftakt einen Doppelerfolg. Auch die zweiten Plätze waren damals fest in 190E-Hand: Klaus Ludwig und Roland Asch folgten Thiim damals, der am Ende der Saison hinter Ludwig Vizemeister wurde. 27 Jahre später half Mathieu Damiens bei der Nachfolge auch das Rennglück. Als Ex-DTM Pilot Kris Nissen im BMW M3 E30 auf dem zweiten Platz den Druck erhöhte, öffneten sich am Himmel erneut die Schleusen. Als dann der Schweizer René Ruch unglücklich mit seinem BMW M3 bei Aquaplaning ausrutschte, schickte die DTM-Rennleitung zehn Minuten vor Rennende das Safety Car auf die Strecke, um das Feld bis zur Zieldurchfahrt anzuführen. So gewann Damiens vor Nissen und dem Belgier Evertjan Alders in seinem BMW 325i E30.

Auch auf den Positionen sorgte das Safety Car für Enttäuschung: Harald Grohs – schnellster im Freitagstraining – hatte gerade den Vogelsang-BMW M3, sein Einsatzauto von 1987, sehr spät vom Co-Driver übernommen und startete eine Aufholjagd. Allerdings blieb ihm nur noch wenig Zeit, die verlorenen Positionen gutzumachen und landete so am Ende auf dem elften Platz. „Dieses Ergebnis wird unserem Auto nicht gerecht“, bedauerte Grohs am Ende. Auch Eric van de Poele und Marc Hessel, das wiedervereinigte BMW-Junior-Team von 1987, mussten in Zolder eine Enttäuschung hinnehmen. Trotz zweitbester Qualifikationszeit  wurden sie in der Startaufstellung sechs  Plätze nach hinten versetzt, weil sie im Qualifying zweimal die weiße Markierungslinie in der Boxenausfahrt überfahren hatten. Startfahrer van de Poele, der heute 57 Jahre alte ehemalige DTM-Champion, erzielte bei seiner Aufholjagd die schnellste Rennrunde. Doch sein Vorwärtsdrang blieb unbelohnt: Wegen Überholens in der Einführungsrunde kassierte der Belgier eine Durchfahrtsstrafe und ruinierte damit endgültig das Rennen. Van de Poele und Hessel wurden letztlich nur Zehnte.

Das Überholen in der Einführungsrunde war ein Missverständnis, wie Ralph Bahr aufklärt: „Durch meine beschlagene Windschutzscheibe konnte ich nichts mehr sehen. Ich habe die Gurte gelockert und die Scheibe gewischt“, schilderte er die Situation. „Für Eric sah das so aus, als wollte ich ihn vorbeiwinken.“ Die Sintflut von Zolder sorgte nicht nur für Ausrutscher, sondern auch für Missverständnisse. Trotzdem sorgten die Tourenwagen Classics mit den DTM-Legenden van de Poele, Marc Hessel, Harald Grohs und Kris Nissen für Begeisterung bei den Fans. Zusammen mit Armin Hahne und Volker Schneider, die im Rennen mit dem Ford Sierra RS500 Gesamtsiebte und Klassendritte wurden, schrieben die Ex-DTM-Piloten auf der DTM-Bühne fleißig Autogramme.  Dazu gesellte sich auch Otto Rensing, ehemaliger ex Diebels M3 Pilot, der im kommenden Rennen seinen Einstand bei der TWC gibt.

Die DTM insgesamt bot mit ihren professionellen  Rahmenbedingungen für alle Teams einen gelungenen  Saisoneinstand. Schon in einer Woche folgt der zweite Lauf der TWC von24.- 26. Mai auf dem Nürburgring. Dort starten neben Harald Grohs, Marc Hessel, Otto Rensing und Armin Hahne auch Kurt Thiim und Markus Oestreich. Im Rahmen der DTM sind die historischen Autos in diesem Jahr insgesamt fünf Mal zu bewundern.

1. Lauf DTM Zolder

Gesamtergebnis

(Zieldurchfahrt hinter dem Safety Car)

1. „Gentleman‘s Fair“ (i.e. Mathieu Damiens, BEL), Mercedes 190E 2.5-16 Evo 2, 16 Runden in 40:32,468 Min.

2. Kris Nissen (CH), BMW M3 E30

3. Evertjan Alders (BE), BMW 325i E30

4. Michael Menden (D), BMW M3 E30

5. Tim Kujil (BE), BMW 325i E36

6. Thomas Schmidt (D), BMW 325i E36 Gruppe N

7. Armin Hahne/Volker Schneider (DE/DE), Ford Sierra RS500

8. Dirk van Rompuy (BE), BMW M3 E30

9. Roger Waber (CH), BMW M3 E30

10. Eric van de Poele (BE), BMW M3 E30

Die Klassensieger

Klasse 1 (ITC/Gruppe H): kein Platzierter

Klasse 2 (DTM/Gruppe H): Mathieu Damiens

Klasse 3 (Gruppe A): Kris Nissen

Klasse 4 (STW/BTCC): Herbert Wagner (DE), Audi A4 STW Klasse 5 (DTC): Tim Kujil

Nächster TWC-Lauf: 24. bis 26. Mai auf dem Nürburgring (Nürburgring Classics)
 
 
 

Privat: TWC-Online-Shop

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