Poldi – der Vollgas-Prinz mit BMW-Vorliebe – Fahrerportrait TWC 2019

Rainer Braun

Leopold Prinz von Bayern, von seinen Renn-Kumpanen und Freunden kurz und respektlos Poldi genannt, hat sein schnelles Hobby immerhin 35 Jahre lang ziemlich konsequent und erfolgreich gepflegt.

Die Begeisterung der königlichen Familie hielt sich zwar stets in engen Grenzen, aber der Vollgas-Prinz zog sein Ding einfach durch. Nach wilden Jahren im Mini Cooper S in den 60ern und der Formel Super VW in den 70ern fand Poldi seine dauerhafte Heimat als Profi bei BMW. Als er sich mit 55 anlässlich des STW-Laufs im Oktober 1998 am Nürburgring als Rennfahrer verabschiedete, hatte er schon rund 25 BMW-Jahre in allen möglichen Rennserien auf dem Buckel. Für die Weiß-Blauen fuhr er alles, was wichtig war und gute PR brachte: DRM mit dem Gruppe 5-320, DRT mit dem M1, DTM mit dem M3, japanische und deutsche STW mit dem 320i.

Zwei dramatische Zwischenfälle sind aktenkundig: Beim Bergrennen Zotzenbach flog er samt Mini Cooper „in den ersten Stock eines Apfelbaums“. Und 1994 bei den 24 Stunden am Ring überholte er nachts, in Führung liegend, Jockel Winkelhocks BMW im freien Flug über dessen Dach. Mit üblen Folgen: Poldis M3 GTR zerschellte an einem Brückengemäuer ausgangs der Aremberg-Kurve, der Chauffeur wurde ebenso schockiert wie verletzt ins Adenauer Spital eingeliefert. „Am schlimmsten war aber“, jammert er noch heute, „dass es mir meine goldene Rolex beim Aufprall vom Arm gerissen hat und das teure Teil nie mehr aufgetaucht ist.“

Was der rennfahrende Bayern-Prinz sonst noch so alles erlebt und angestellt hat, ist in seinem Bestseller „Ein Prinz erzählt“ nachzulesen.

Am 21. Juni dieses Jahres feierte Prinz Poldi seinen 76. Geburtstag. Seitdem Schluss ist mit der professionellen Rennerei, sieht ihn seine Familie auch öfter mal wieder zu Hause im prinzlichen Anwesen iam Starnberger See. Als da wären: Seine Frau Uschi (mit er seit 1977 verheiratet ist), seine beiden Söhne Manuel (46) und Constantin (32) sowie die Töchter Pilar (41) und Felipa (38). Langweilig wird’s ihm aber trotzdem nie, denn so ganz hat Poldi das Thema Motorsport und Racing noch immer nicht ad acta gelegt.

So ist er seit seinem offiziellen Rücktritt 1998 für BMW und BMW Classic bis heute als Marken-Botschafter unterwegs. Zu ein paar Oldtimer-Events reicht die Zeit immer, darunter zum Beispiel die Mille Miglia, die er schon mit Schweden-König Carl Gustav als Beifahrer im BMW 328 bestritten hat. Mit dem schwedischen Königshaus verbindet Poldi sowieso eine ganz besondere Freundschaft, zumal Poldi Patenonkel von Prinz Philip ist. Ich erinnere mich noch sehr gut an das rauschende Fest 2003 anlässlich Poldis 60. Geburtstag in einem Hotel am Tegernsee – das war sogar der Schweden-König mit kompletter Familie zugegen.

Während seiner Präsenz an der Rennstrecke hat Poldi allerdings nie den Prinzen-Status raushängen lassen. Der rustikale Umgang mit seinen Kumpels war ihm stets wichtiger als jede Etikette. Die muss er abseits der Piste schon oft genug einhalten, etwa dann, wenn in den Fürstenhäusern dieser Welt Hochzeiten oder andere Pflichttermine anstehen.

Einen dramatischen Vorfall hat Poldi kurz vor seinem 70. Geburtstag erleben müssen. „Eigentlich muss ich dem lieben Gott danken, dass ich überhaupt noch lebe“, sagt er rückblickend. „Aus heiterem Himmel hatte ich einen Herzstillstand, dass ich den überlebt habe, verdanke ich nur der schnellen Reaktion meiner Frau Uschi. Sie hat alles richtig gemacht und mir mit ihren gezielten Notfallmaßnahmen das Leben gerettet.“

Gottseidank ist Poldi das schnelle Autofahren auch mit 76 noch nicht abhandengekommen. So kann man ihn beim einen oder anderen DTM-Rennen schon mal als „Renntaxi-Fahrer“ in seinem M3 aus der alten DTM oder auch im ultraflachen M1-Sportwagen erleben. Und die Tourenwagen Classics bereichert er zumindest hier und da mal mit seiner Anwesenheit – dann teilt er sich das Cockpit seines jetzt genau 30 Jahre alten DTM-BMW M3 mit der aktuellen Startnummer 41 (die 41 zierte auch Poldis BMW in der DTM-Saison 1989) mit seinem Dänen-Kumpel Kris Nissen, der die Meisterschaft durchfährt und sehr gute Titelchancen hat.

Für Poldi gilt damals wie heute: Er ist ein liebenswerter Freund, unkompliziert, volksnah, fröhlich wie eh und je und noch immer zu derben Späßen aufgelegt, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet.

 
 
 

Privat: TWC-Online-Shop

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