Otto Rensing – Fahrerportrait TWC 2019

Wiesbaden, den 30. April 2019

Karriere mit Knick

Otto Rensing hatte es ab Beginn seiner Karriere weiß Gott nicht leicht, wenn’s um Gegner und Konkurrenten ging: Im Kart musste er sich mit Ayrton Senna, Stefan Bellof und Heinz Harald Frentzen rumschlagen.

Kaum war das mit zwei Titelgewinnen ziemlich erfolgreich geschafft, warteten in der Formel Ford die Herren Johnny Herbert, Damon Hill und Roland Ratzenberger. Nachdem er sich auch da durchgebissen hatte, ging‘s in der Tourenwagen-EM mit einem BMW-Werksvertrag auf höchstem Niveau weiter. Mit Kalibern wie Gerhard Berger, Roberto Ravaglia und Tom Walkinshaw blieb Otto auch hier nix erspart. Und ob das alles noch nicht genug gewesen wäre, machten ihm in der Formel 3 schließlich so wilde Typen wie Michael Schumacher, Mika Häkkinen, Jörg Müller, Jockel Winkelhock oder Karl Wendlinger die Hölle heiß.

Zweimal wurde Otto Rensing deutscher Kart-Champion, nach der ebenfalls erfolgreichen Formel Ford-Zeit kam die Berufung ins BMW-Werksteam, wo er als Junior eingesetzt wurde. 1986 gewann er zusammen mit Markus Oestreich und Winni Vogt mit einem BMW 325i des Budde-Teams immerhin die 24 Stunden am Nürburgring. Danach holte ihn Bertram Schäfer in sein VW Motorsport-Formel 3-Werksteam, wo es zu zwei Vizemeisterschaften reichte. Rückblickend sagt Rensing: „Eigentlich war ich 1990 fest entschlossen, als Kröning meiner Formel 3-Zeit endlich den Titel einzufahren.“ Aber sein Pech war, dass er Michael Schumacher zum Gegner hatte – dem Kollegen Schmickler fällt zu diesem Thema sicher auch was ein…Irgendwann jedenfalls war klar, dass das nix mehr wird und sich ein enttäuschter Otto R. nach 1988 erneut mit der Vize-Meisterschaft abfinden musste.

Schon Mitte der 80er-Jahre durfte Rensing auf Empfehlung des damaligen BMW-Sportchefs Wolfgang Peter Flohr sogar einen Formel 1-Test mit Benetton absolvieren. Eigentlich beste Voraussetzungen, um einen Fuß in der Tür zur Top-Liga zu haben. Und doch geriet die hoffnungsvolle Karriere ins Stocken, „weil viele Dinge für mich leider nicht so ideal liefen“. Frustriert zog Rensing 1993 schließlich die Notbremse und steckte nach insgesamt acht Jahren im Kart und deren neun im Automobilsport endgültig auf. „Es gab Situationen, da fühlte ich mich einfach nur noch verarscht“, bekennt der gelernte Bankkaufmann heute freimütig, räumt aber selbstkritisch ein, „dass auch ich ein paar Fehler auf sportpolitischem Parkett gemacht habe.“ Dennoch gibt es genügend positive Stationen, die ihm in guter Erinnerung geblieben sind, so beispielsweise die Formel 3-Jahre im VW-Werksteam. „Die Zeit bei Bertram Schäfer und bei VW Motorsport war einfach großartig, da hat alles gestimmt.“

„Glücklicherweise hab’ ich ja was Ordentliches gelernt“, sagt Rensing mit einem Anflug von Sarkasmus. So wurde aus dem Rennprofi ein erfolgreicher Unternehmer, dessen Ausbildung als Banker beim Sprung in die Selbstständigkeit sehr hilfreich war. Mit sicherem Gespür für lohnende Investments nutze er den Trend der boomenden Indoor-Kartbahnen und eröffnete 1994 in Kaarst bei Düsseldorf die „RS Speedworld“. Als erstes setzte Rensing neue Sicherheitsstandards und konnte sich schon drei Jahre später über eine Auszeichnung als „beste Indoor-Kartbahn Deutschlands“ freuen. Mit seinen Angestellten sorgte der Chef dafür, dass der Laden weiter brummte. 2009 feierte das Unternehmen sein 15jähriges Jubiläum, ein Jahr später verkaufte Rensing die Kaarster Anlage samt bester Referenzen (regelmäßige Veranstaltungen mit Firmen wie Sony, Ebay, Microsoft oder Siemens). Seitdem lebt der inzwischen 57 Jahre alte Rheinländer mit Wohnsitz im Landkreis Neuss stress- und sorgenfrei mit viel Zeit für seine Hobbys wie Rennradfahren oder eSports SIM-Racing.

Rennstrecken oder Fahrerlager hat Otto nach seinem Rücktritt kaum noch besucht, sich aber regelmäßig aus den Fachblättern Autosport und MSa oder via TV über den Stand der Dinge informiert. Das mit der Rennstrecken-Präsenz wird sich 2019 dank der Tourenwagen Classics ändern, weil er den Spaß und die Herausforderung am und im historischen Motorsport für sich entdeckt hat. Mit der Startnummer 42 tritt er für das Team Automotive 2.0 in einem BMW 325 an – jener Baureihe, mit der er vor 33 Jahren beim 24 h-Rennen am Ring den Gesamtsieg geholt hat.

Als ich Otto vor 15 Jahren im Zuge einer Recherche für eine andere Geschichte gefragt habe, ob er sich irgendwann ein Comeback vorstellen könne, hat er seinerzeit geantwortet: „Wenn überhaupt, dann würde ich gerne mal bei der historischen Formel 1 oder beim einem Klassiker wie der Mille Miglia mitfahren. Aber bitte ohne Stress.“ Nun, die Formel 1 wird’s wohl eher nicht mehr, die Mille Miglia klappt vielleicht später nochmal und die Tourenwagen Classics sind für Otto Rensing jetzt Realität. Zumal er auch noch seit 1991 mit einer DTM-Saison im Diebels BMW M3 vorbelastet ist.

   
 
 
 

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