Erinnerungen von Hans – Jörg Weick an die ITC Rennen in Helsinki

In der ersten Phase der DTM war Hans-Jörg Weick der Mann hinter den Kulissen, bei dem alles zusammenlief. Als langjähriger ITR Geschäftsführer war er für alle organisatorischen Aufgaben zuständig.

Das fing zu Beginn der DTM an – mit dem Sortieren der VIP-Karten auf dem Wohnzimmerfußboden in seinem Haus in Leipheim bis hin zur Organisation ganzer Rennveranstaltungen. Die ITC-Rennen 1995 und 1996 in Helsinki hat er maßgeblich mitverantwortet und zusammen mit Robert Lappalainen eine denkwürdige Veranstaltung geschaffen. Dies ist ein Auszug aus einem Interview mit Hans-Jörg Weick.

Herr Weick, wie kam es denn 1995 und 1996 zum ITC Lauf in Helsinki?

Das ist eine interessante Geschichte und zeigt: Es hängt immer mit Menschen zusammen. Robert Lappalainen, ein ehemaliger Trans-Am-Rennfahrer, hat sich damit einen Traum erfüllt und ein Rennen in Helsinki organisiert. Der kam mindestens drei Jahre lang Anfang der 90er Jahre zu unseren Rennen und hat immer wieder das Gespräch mit mir gesucht und dabei viele Pläne vorgestellt. Im ITR-Vorstand habe ich das immer wieder präsentiert, aber sie haben immer gesagt „Ja, ja, ja, ja.“

Aber er war so penetrant an der Sache dran, bis er zu mir 1993 gesagt hat: „Komm doch mal nach Helsinki und schau dir das an.“ Und dann sind wir zu dritt, Dr. Gulda, der Bernd Krämer, der Regisseur vom ZDF, und ich  hochgeflogen und haben dort Gespräche mit dem Fernsehen, dem finnischen Motorsportverband und mit dem Bürgermeister geführt.

Im Gespräch mit dem Bürgermeister habe ich ihn gefragt: „Wie sieht es bei euch mit grünen Parteien aus? Wenn wir ein Stadtrennen veranstalten wollen, wie reagieren die darauf?“ Worauf der Bürgermeister meinte: „Ja, wir haben auch Grüne, die dagegen sind, aber wenn die Mehrheit dafür ist, dann wird das von der Minderheit respektiert.“

Jedenfalls hat der Robert Lappalainen weitergemacht, hat viele gute Leute für den Streckenbau um sich organisiert und wir haben über ein Jahr an dem Rennen gefeilt, damit alles funktionieren wird. Weil die Rennstrecke mitten im Hafengebiet lag, war das besonders aufwändig. Die Trucks der Teams konnten von der Fähre direkt ins Fahrerlager fahren. Das war schon außergewöhnlich. Daneben habe ich zum Robert Lappalainen auch immer gesagt: „Du darfst nicht nur an das Rennen denken – du musst daraus auch ein Event machen. Die Leute müssen fasziniert sein.“

Jedenfalls war es eine sehr enge Zusammenarbeit. Der Robert ist immer wieder nach Deutschland gekommen und hat mit vielen Leuten weiter Gespräche geführt und angekündigt, dass er 1995 das Rennen umsetzen möchte. Die ONS und Roland Bruynserade waren mittlerweile auch involviert. Dann habe ich gesagt: „Robert, wir müssen jetzt einen Vertrag vorlegen und dann müsst ihr entscheiden, ob „Ja“ oder „Nein“.“

Und wie ich vorhin schon angedeutet habe: Es wollte keiner im ITR-Vorstand das richtig mittragen. In der letzten ITR Sitzung Ende 1994 wurde heftig diskutiert, ob das das Richtige ist. Im Rennkalender war Helsinki erst unter Vorbehalt aufgenommen. Viele blieben sehr skeptisch. Vielleicht war es auch die Einzelperson Robert Lappalainen mit seinem großen Engagement und Idealismus, der vielleicht den ein oder anderen verunsichert hat. Ich weiß es nicht. Letztendlich hat keiner den Mut gehabt zu unterschreiben und dann hab ich es eben am 24.12.1994 bei einem Treffen am Frankfurter Flughafen gemacht. Mir war klar: Wenn das schiefgeht, köpfen sie mich. Aber am Ende haben sie sich alle selbst auf die Schulter geklopft, nachdem es eine so tolle Veranstaltung war. Naja. Sei es drum.

Wie  ging es dann weiter? Der Vertrag war ja unterschrieben, aber Vorbehalte waren sicherlich noch immer viele da.

Wir haben dann angefangen, das Rennen zu promoten. Das Rennen war ja im Juli und wir haben dann im März vor der Saison zu einer Präsentation nach Helsinki geladen. Nach einem Meeting mit den Vorständen und einer großen Pressekonferenz sind wir anschließend mit den Vorständen, den Journalisten und den Fahrern zum Snowmobil-Fahren nach Lappland geflogen. In Rovaniemi sind wir dann gelandet und haben noch direkt im Flughafen in einem Kellerraum unsere Winterkleidung bekommen. Vor dem Flughafen standen bestimmt 30 Snowmobile und von da ging es direkt los. Sabine Köhne vom DSF hat einen kurzen Film darüber gedreht. Da gibt es Aufnahmen – unglaublich, was da abging. Der Nicola Larini und der … Wie hieß der Alfa-Fahrer, der dann bei einem Unfall gestorben ist?

… Michele Alboreto

Richtig. Die beiden haben da so richtig ihren Spaß gehabt. Jedenfalls von dem Moment an waren alle hellauf begeistert und im Juli haben wir ein ganz tolles Stadtrennen gehabt. Was man noch dazu sagen muss, was er toll gemacht hat, Robert Lappalainen hat ein unglaublich tolles Rahmenprogramm veranstaltet. Abends hat im Fahrerlager die Band ELO (Electric Light Orchestra) gespielt, es gab Freibier für alle, die Maserati Trofeo ist gefahren, Spaßrennen mit kleinen Opel Corsa. Also um es kurz zu machen: Es war toll.
Robert Lappalainen hat mit dem Rennen sicherlich keinen Gewinn gemacht. Aber die ganzen Kosten, die vorher entstanden sind, hat er mit einer großen Marketingaktion getragen. Ein Jahr hat er die Veranstaltung promotet mit Merchandising-Artikel unter dem Titel C1 Thunder, obwohl der Vertrag noch nicht unterschrieben war.

Die Teams waren natürlich auch happy, weil die Fahrt mit der Fähre von Travemünde nach Helsinki drei Tage gedauert hat. Da konnten die auf dem Schiff dann…(lacht)

…Halleluja. Hoch die Tassen!

Ohh, ja richtig Halleluja. Die Fahrt ist natürlich den Teams in Erinnerung geblieben.

Ich habe in Erinnerung, dass in Helsinki mal ein Alfa Romeo mit McDonalds-Werbung mitgefahren ist.

Ja, das war der Markku Alen. Der hat das damals eingefädelt. Da gibt es eine schöne Anekdote dazu. Helsinki liegt ja sehr weit im Norden und bei der Mittsommernacht ging die Sonne kaum unter. Da sind der Alen, der Rosberg, der Stuck und ich noch nachts umhergezogen und haben zum Stuck immer gesagt: „Du musst doch langsam mal ins Bett. Du fährst doch morgen dein Rennen.“  Worauf der dann meinte: „Ach ich bin nicht so´n Müslifresser“, –  gemeint war ein junger Markenkollege und Triathlet- , „und gehe um halb zehn ins Bett.“ Ich glaube, um halb fünf ist er dann mal zum Hotel gegangen und hat am Sonntag das Rennen gewonnen. Das ist der Stuck!

Das ist so ein bisschen wie der Winkelhock 1992 in Nürnberg. Bis sechs Uhr hat er mit Charly Lamm an der Hotelbar gesessen, zwei Stunden geschlafen und dann hat er auch das Rennen gewonnen.

Das geht heute gar nicht mehr. Da sind die ganz schnell ihren Vertrag los.

Das sind wirklich schöne Anekdoten hinter den Rennen. Köstlich!

Ach da fällt mir ein: Wir haben ja, ich meine 1990 oder 1991 auch ein Einladungsrennen in Kyalami. Auch das waren tolle Momente. Ich weiß nicht mehr, wie der Organisator hieß. Auf jeden Fall hatte er den Sponsor „Yellow Pages“ wie bei uns früher das Gelbe-Seiten-Buch. Gibt es das eigentlich noch? Wie dem auch sei. Wir haben mit den Fahrern und Teams in tollen Hotels und Lodges gewohnt. Poolparties gab es immer. Für einige war das Rennen nur Nebensache. Viele Fahrer haben das Rennen noch mit Urlaub verbunden und viele Teams haben ihre Autos dort verschleudert.

Aber in Kyalami war es furchtbar heiß. Südafrika liegt ja auf der Südhalbkugel. Wenn bei uns im Winter die Saison zu Ende war, fing da der Sommer gerade an. Der Organisator hat für uns im Fahrerlager von Einheimischen in wenigen Stunden einen Pool mauern lassen. Der war notdürftig abgedichtet. Für die Fahrer hat es gereicht. Einige sind noch mit Overall direkt nach dem Rennen da reingesprungen. Unglaublich.

Das Interview wurde anschließend zu anderen Themen fortgesetzt.

 
 
 

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