Einer der noch sagt, was Sache ist – Christian Menzel – Fahrerportrait TWC 2019

28. September 2019, Rainer Braun

„So einen jungen, frechen und fröhlichen Burschen können wir bei uns in der Formel Renault brauchen“,

sprach der legendäre Renault-Sportchef Rolf Schmidt 1991 gegen Saisonende im tschechischen Most, als ich ihm den Nachwuchsmann Christian Menzel aus der ADAC Formel Junior vorgestellt habe. Danach fragte der mich völlig konsterniert, „ob der Schmidt das jetzt ernst gemeint hat“. Hatte er, denn schon 1992 saß Menzel im Cockpit eines Formel Renault. Dort fand er sich der 21-jährige Rheinländer auf Anhieb zurecht und zählte bald zu den Siegkandidaten. 1993 galt der stets fröhlich aufgelegte junge Mann mit dem ansteckenden Lächeln schon als Titelkandidat, aber ausgerechnet sein alter Kart-Kumpel und jetziger Teamkollege Arnd Meier aus Hannover verdarb ihm die Titelparty am Ende um ein paar Punkte. Respektlos nannte Menzel seinen Bezwinger daraufhin spaßeshalber „Schweine-Meier“, nicht etwa weil der sich unbotmäßig verhalten hätte, sondern „weil der Kerl so unglaublich viel Schwein gehabt hat und gegen meine sechs Saisonsiege mit nur einem einzigen Sieg Meister geworden ist“. Das ist übrigens nur einer von vielen deftigen Menzel-Zitaten, die im Laufe der Jahre die Runde machen sollten.

Danach durchläuft er in schneller Folge die Formel 3, wird BMW-Werksfahrer, sorgt 1998 zusammen mit Hans Joachim Stuck, Marc Duez und Andy Bovensiepen bei den 24 Stunden am Ring für den ersten Gesamtsieg eines Diesel-BMW 320d und landet zum Start der neuen DTM-Ära als Werksfahrer bei Opel. In einem Irmscher Astra Coupe erlebt Christian eine durchwachsene Saison, was ihn veranlasst, die DTM frustriert zu verlassen und seine Zukunft bei Porsche zu suchen. Trotzdem bleibt er DTM-Fan durch und durch, vor allem, weil die Zeit der ersten DTM-Dekade „mich geprägt und im Grunde auch dem Motorsport zugeführt hat“. Umso schöner empfindet es Christian Menzel, dass er seit letztem Jahr bei den Rennen der Tourenwagen Classics immer wieder mal in einen 88er-BMW M3 aus des Teams um Marc Hessel steigen kann – so wie kürzlich beim fünften Saisonlauf am Lausitzring.

Über viele Jahre blieb Menzel eine feste Größe im Porsche Carrera Cup, siegte in Deutschland genauso wie in den Cups anderer Länder. Im Asia Carrera Cup gelang ihm 2009 und 2010 sogar gleich zweimal der Gesamtsieg. In der VLN am Ring und bei den 24 Stunden wurde er ebenfalls zum regelmäßigen Starter und gleichzeitig auch zu einem der Publikums-Lieblinge. Eingefleischte Ring-Fans hatten den fröhlichen Burschen mit der wilden Wuschel-Frisur schon deshalb ins Herz geschlossen, weil er seinen Wohnsitz von Langenfeld gleich neben die Eifel Rennstrecke nach Kelberg verlegt hat. Dort wuchs auch Sohn Nico auf, der mit seinen 21 Jahren seinen Vater schon um Haupteslänge überragt. Wenn Menzel Senior und Junior mal zusammen einen VLN-Lauf im Ferrrari- oder Nissan GT3-Cockpit bestreiten, ist der Sohnemann schon genauso schnell, oft sogar schneller als sein alter Herr, Lehrmeister und Mentor. „Der Kleine ist richtig gut und schnell, da gibt’s nix wegzudiskutieren“, sagt der stolze Papa. Dennoch wird wohl aus Menzel Junior trotz einer lehrreichen, aber inzwischen beendeten Zeit im BMW-Junior-Kader wohl eher kein Profi-Rennfahrer, denn Nicos wirkliche Talente liegen auf ganz anderen Gebieten. So könnte er mal als Renn-Kommentator ebenso Karriere machen wie als Stimmen-Imitator. „Es ist unfassbar“, so Christian, „wen der Bub so alles stimmlich täuschend echt nachahmen kann.“ Lassen wir uns überraschen…

Neben der langsam auslaufenden Rennfahrer-Laufbahn von Menzel Senior hat der sich schon beizeiten weitere Standbeine geschaffen, die ihm viel Freude und Spaß bereiten. So gehört er seit einigen Jahren fest zum Kommentatoren-Team bei Eurosport. Seine lockeren Anmerkungen und trefflichen Analysen zu den bewegten Bildern der WTCR, des 24h-Rennens oder diverser Carrera Cup-Läufe haben ihn auch in der Gunst des TV-Publikums weit oben angesiedelt. Dazu schrieb kürzlich ein Fan in einem Leser-Kommentar auf Facebook: „Das ist wenigstens noch einer, der nicht rum eiert, sondern sagt, was Sache ist.“ In anderen Zuschriften ist zu lesen, „dass es unserem Sport gut täte, noch mehr Typen wie Menzel zu haben.“

Kein Zweifel, einer wie Christian Menzel war und ist ein Segen für den deutschen Motorsport. Einer, der erfolgreich ist, wo immer er antritt, dem die Sympathien zufliegen und der aus seinem Herzen keine Mördergrube macht. Seine gute Laune und sein herzliches Lachen sind ansteckend, wo er steht und geht. Kein Wunder, dass er seit frühen Formel-Tagen eine innige Freundschaft zu Jörg Müller pflegt – auch so ein Bursche, der sich von nichts und niemand verbiegen lässt. Für mich sind die beiden Racer irgendwie seelenverwandt. Aktuell ist Christian, mittlerweile (man glaubt es kaum) 48 Jahre alt und fast mit mehr Aufgaben am Rande der Rennstrecke als mit Lenkradarbeit im Cockpit beschäftigt. So gilt er als gefragter Instruktor bei Fahrsicherheits- und Renn-Trainings sowie beim Porsche Super Cup im Rahmen der Formel 1 als Berater der Rennleitung bei der Beurteilung heikler oder strittiger Situationen. Außerdem betreut und berät er die Amateur-Fahrerfraktion im deutschen Carrera Cup. Und schließlich hat er bei „ams tv“ mit „Fast Lap“ seine eigene, regelmäßige Sendung. Der Name Menzel wird uns glücklicherweise noch für viele Jahre erhalten bleiben – so oder so…

 
 
 

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